Jetzt wird’s ernst: Grünes Licht vom Stadtrat für den Fernsehturm
8 Events im Monat, Baukostenprognose seit 8 Jahren unverändert
Sie haben es sicher schon aus der Presse erfahren: am 05.03.2026 stimmte die Mehrheit der Stadtratsmitglieder (Fraktionen CDU, AFD/Freie Bürger, LINKE, BSW und Team Zastrow) für den Fernsehturm. Hier entschieden sich die Politiker für die Wählergunst ohne Vernunft und eine realistische Einschätzung der aktuellen Sachlage.
Die kritischen Stimmen von SPD, Grüne und PVP konnten sich leider nicht durchsetzen: sie hatten auf die deutlichen Mängel im Verkehrs- und Mobilitätskonzept und im Betreiberkonzept hingewiesen und mit Verweis auf die aktuelle Haushaltslage nicht für das Vorhaben gestimmt.
Wir als Bürgerinitiative hatten diese Entscheidung des Stadtrates erwartet, da bereits unsere zuständigen Bürgervertreter vor Ort trotz Kenntnis der zu erwartenden Belastungen für alle Bewohner des Fernsehturm-Umlandes die Vorlage in ihren Sitzungen nicht verhindert, sondern lediglich kleine Nachbesserungen am Verkehrs- und Mobilitätskonzept gefordert haben.
Trotzdem hat uns die Stadtratssitzung überrascht, nämlich mit welcher Unverfrorenheit die Interessen und Belange der Anwohner für nichtig erklärt worden sind und es in Aussagen gipfelte wie „Wer dort wohnt musste damit rechnen, dass der Turm wieder aufmacht.“ Wer die Entwicklungen in den letzten Jahren verfolgt hat, der weiß, dass uns als Anwohnern „anwohnerfreundliche Lösungen“ sowohl für das Verkehrs- und Mobilitätskonzept als auch für das Betreiberkonzept versprochen worden sind. Nun, angesichts leerer Kassen steht die Anwohnerfreundlichkeit zuerst auf der Streichungsliste.
War einst von Verhinderung des sogenannten MIV‘s (motorisierter Individualverkehr) und Shuttlebus Lösungen die Rede, dann sind jetzt noch nicht einmal ausreichend Parkflächen in der Planung. Der daraus resultierende Parksuchverkehr in den anliegenden Wohnsiedlungen wird im Konzept als „wir schauen mal was draus wird“ abgetan.
Das Betreiberkonzept kann ohne 8 Events im Monat anscheinend keine schwarzen Zahlen erreichen: 8 Events: das heißt an jedem Wochenende Veranstaltungen, die sich mit entsprechender Lärmbelastung bis in die späten Abendstunden ziehen.
Und dann ist da noch Risiko der Steuermittelverschwendung und dass das Ganze ein Fass ohne Boden wird:
Da wären zunächst die Baukosten. Das ist schon eine merkwürdige Geschichte: 25,6 Mio. € Fördermittel für den Fernsehturm – davon ist schon seit 2018 die Rede und eine damals erstellte Machbarkeitsstudie ermittelte Baukosten genau in dieser Höhe. Jetzt – ganze acht Jahre und einige Krisen danach – kostet laut Planung die Sanierung unseres Turms noch genauso viel. Gut, dass in Dresden die Baukosten nicht, wie im ganzen Rest von Deutschland, gestiegen sind!
Die Kostenentwicklung für die Sanierung des Münchner Fernsehturms ist dagegen rasant – von ursprünglich 32 Mio. € geht man jetzt von knapp 61 Mio.€ aus – der Turm war bis 2024 geöffnet – hat also keine 30jährige Liege-/Verschleißzeit hinter sich.
Es erscheint offensichtlich, dass man auch hier bald in der Baukosten-Klemme landen wird – aber wer soll das dann bezahlen? Und auf Kosten welcher sozialen Projekte?
Auch das Betreiber-Konzept birgt große Risiken, da der Turm ein Schön-Wetter Business ist. Und ob er ein Besuchermagnet nicht nur für die Dresdner sondern auch für Touristen darstellt, wird sich erst noch zeigen. Was passiert, wenn den Betreibern finanziell „die Puste ausgeht“? Hier trägt die Deutsche Funkturm GmbH die Verantwortung, dass der Turm nach Wiederöffnung 25 Jahre für Besucher geöffnet bleibt. Der Stadtrat hat erklärt, im Notfall nicht in die Presche zu springen. Wir sind gespannt!
Was bleibt uns? Es bleibt der juristische Weg und die bisher vorliegende Planung bietet genügend Einfallstore. Der nächste Schritt für die Zuweisung der Fördermittel ist die Erteilung der Baugenehmigung – hier könnte ggf. der Brandschutz ein Knackpunkt sein. Auch die Voraussetzung, ausreichend PKW-Stellplätze auszuweisen, ist ohne die Einziehung des jetzigen Fernsehturm-Parkplatzes nicht gegeben. Und schließlich ist da noch der Naturschutz ….
Die letzte Hürde ist noch nicht genommen, liebe Stadtväter. Wir bleiben am Ball und optimistisch!